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Zu den Arbeiten von Peter Riss

(english version see below)

Peter Riss studierte bildende Kunst bei Prof. Gerhard Merz in Düsseldorf mit dem Schwerpunkt auf den kunstphilosophischen Diskurs und die Auseinandersetzung mit dem Sublimen und Erhabenen. Seine auf den ersten Blick hochästhetischen Installationen und Objekte konzentrierten sich auf die thematische Auseinandersetzung mit dem augenscheinlich Gefälligen und der darin immanenten Ambivalenz zur Selbstdestruktion.

Leitthema der neueren Arbeiten ist eine der eigenen Person innewohnende Dualität. Anders als das Alter Ego, das als „zweites Ich“ eine im Widerspruch stehende Seite einer gespaltenen Persönlichkeit verkörpert, oft in einer fiktiven Rolle und mit einem veränderten Aussehen der ursprünglichen Person, arbeitet Peter Riss mit einem düsteren, im verborgenen agierenden und bedrückendem „dunklen Gefährten“, der zeitgleich zum öffentlich präsentierten, oftmals wohlgefälligen Ich und untrennbar von diesem existiert. Anders als das Alter Ego ist dieser „dunkle Gefährte“ als Projektionsfläche für real erfahrene, verdrängte, verneinte oder in der Zeit verlorene Ängste und Wünsche nicht unmittelbar erkennbar: das negative dunkle „Doppel-Ich“ bietet ein stetiges Konfliktpotential im „Ich“, kann es doch durch gesellschaftliche, familiäre oder psychische Konditionen angst- oder tabubesetzt sein.

Riss‘ Arbeiten haben verschiedene narrative Ebenen. Die Holzschnittarbeiten basieren zum Teil auf persönliche fotografische Vorlagen und bauen durch die Verknüpfung moderner digitaler Verfremdungstechniken mit der tradierten und fast schon in Vergessenheit geratenen Holzschnitttechnik eine ungewohnte Spannung auf. Die verletzliche Hochglanzoberfläche der Objekte wird mit scharfen Messern bearbeitet und zerstört: erst durch die Destruktion des Gefälligen und Schönen entwickelt sich ein abstrahiertes Bild, das in einer Situation der Einsamkeit, der Suche, der Ungewissheit, der kaum greifbaren und nur erahnbaren Angst/ Unwohlseins Form annimmt. Durch die Kombination mehrerer Arbeiten entstehen Kompositionen, die sich wie ein Storyboard zusammenfügen und das allgegenwärtige Thema der Dualität durch zahlreiche Bezüge (z.B. organisch-kubisch, abstrakt-figurativ) ansprechen.

(Text: Anna Wondrak)